10.09.2007: Das Orientation Camp (08./09.07) war ziemlich interessant:
die Vorbereitungen begannen natuerlich schon im Vorfeld; meine Aufgaben waren dabei zuerst die Flugdaten der ganzen Schueler rauszusuchen und in Tabellenform auszudrucken, damit wir wissen, wann welcher Schueler wo ankommt. Dabei treten natuerlich immer Komplikationen auf, wie dass nicht alle Schueler am Freitagmorgen ankommen, sondern ueber den Tag verteilt bzw. eine sogar erst am Sonntag und einer erst 2 Wochen spaeter …
Den Freitag waren wir somit damit beschaeftigt, zwischen Flughafen und Hostel hin- und herzupendeln bzw. im Flughafen auf die Schueler zu warten.
Freitag abend, als dann fast alle angekommen sind, hatten wir einen freien Abend und Zeit uns alle auf dem huebschen Hostelgelaende auszutauschen und kennenzulernen. Die Schueler sind alle im NH(northern hemisphere)-Programm und kamen somit alle aus Europa und Nordamerika. Es ist witzig zu sehen, was fuer unterschiedliche Charaktere vertreten sind und was sie fuer Geschichten aus ihren Heimatlaendern zu erzaehlen haben: z.b. der Reggeafan aus Belgien der sich seine Dreadlocks fuer die Schule abschneiden muss oder die Finninnen, fuer die es selbstverstaendlich ist, dass es im Winter -40 Grad ist und einen Monat komplett dunkel (bzw. hell im Sommer).
Samstag fing dann das Programm richtig an und es wurde draussen in der Sonne (wahlweise auch Schatten) auf das Leben in einer suedafrikanischen Gastfamilie, Schule, etc. vorbereitet und hilfreiche Sicherheitstipps gegeben. Ich war in der Zwischenzeit im Copyshop, um 27 Reisepaesse zu kopieren, hab Getraenke und Chips gebracht und mit Hilfe des Orientation-Handbooks auch einzelne Einheiten vorgestellt (z.b. die Moeglichkeiten des public transports).
Abends war dann wieder Freizeit, in der man schonmal halbwegs den Abschied voneinander zelebriert hat, da im Laufe des Sonntags alle Kinder abgeholt wurden, die in Johannesburg und Umgebung wohnen.
Die anderen wurden entweder zum Flughafen oder zur Busstation gebracht, wo Sie in die richtigen Gefaehrte gesetzt wurden, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Natuerlich kamen einige Gastfamilien viel spaeter als vereinbart, da sie sich verfahren haben oder das afrikanische Zeitverstaendnis wiedermal zugeschlagen hat.
Als dann der letzte Schueler abgeholt wurde (mit dessen Hilfe wir noch Spass mit unserer schweizerischen Kollegin gemacht haben, indem wir ihm das Telefon gegeben haben, damit er sie auf dem uebelsten schweizer-deutsch um Hilfe und Rat bittet, wo er denn eigentlich hinsoll), bin ich mit Dzentra (die Kollegin von mir, mit der ich am meisten zusammenarbeite) noch zu einer „support-issue“ gefahren.
Dort haben sich eine paraguyanische Schuelerin und ihre Gastmutter in die Haare bekommen, da sie statt um 10 erst um 2 Uhr nachts nach hause gekommen ist und sie am naechsten Tag noch angelogen hat bezueglich der Zeit.
Beide Parteien meinten, sie koennten nicht mehr miteinander wohnen und AFS sucht jetzt eine neue Gastfamilie fuer die Schuelerin und laesst sie eine „behavioural-form“ unterschreiben, in der die Regeln festgeschrieben stehen. Wenn sie diese in der neuen Familie bricht, wird sie nach hause geschickt –> harte Massnahmen zur Wahrung der Sicherheit.
Heute muss ich um die 100 Briefe verschicken, zum Arzt gehen um meine Allergiebehandlung zu besprechen, einen Bank-account eroeffnen und versuchen, eine Verbindung zwischen meinem Handy und Laptop herzustellen, damit ich darueber ins Internet kann.
Es ist ein komisches Gefuehl, in seiner eigenen Wohnung zu wohnen: man muss sich um alles selber kuemmern (Abwasch, Einkauf, sauber machen, etc.), man findet alles so wieder wie man’s hinterlassen hat, muss auf niemanden Ruecksicht nehmen … und ist halt komplett fuer sich … Bisher kam noch nicht wirklich Einsamkeit auf, da ich immer nur Abendbrot gegessen und dann gleich geschlafen hab als ich zu hause war. Ausserdem hab ich schon ein paar Bekanntschaften gemacht, die mich auch ueberall mit hinnehmen wollen. Allgemein lernt man recht schnell neue Leute kennen, die einen sofort integrieren. Auf der anderen Seite ist es fuer die Suedfrikaner dann allerdings unverstaendlich, wenn man Zeit fuer sich alleine nimmt, dann fuehlen sie sich nicht eingebunden und ausgeschlossen (es gibt in einer Familie im Grunde keine geschlossenen Tueren). Damit bin ich dann aber nur waehrend den Camps konfrontiert, da ich ja eh alleine wohne.
Letzte Woche hab ich die erste Nummer von einem Maedel hier bekommen.
sehr witzig, sie kommt aus Soweto und arbeitet in einem handyladen. ich wollte eine sim-card kaufen + angebote vergleichen und dann kamen wir ins gespraech, wo ich denn eigentlich herkomme und ob ich hier irgendwo feiern gehen kann, woraufhin sie meinte, ich soll sie anrufen, wenn ich zeit hab, sie nimmt mich dann mit .
Gestern hab ich mein Auto bekommen (ein 20 Jahre alter Opel Kadett) und hatte heute morgen die aufregendste Autofahrt meines Lebens: ich bin hinter Moira durch den verrückten Johannesburger Verkehr gefahren … In so nem behaebigen alten Benziner, bei dem ich einen Gang runterschalten muss, sobald eine Steigung kommt …