So, nun muss ich mich ja doch nochmal melden bevor ich endlich in meinen wohlverdienten Weihnachtsurlaub gehe
In 2 Wochen werd ich mich mit Marian in eine 24-stündige Zugfahrt begeben um endlich mal etwas vom Land und die wunderschöne Kapstadt zu sehen.
Bis Weihnachten werden wir da voraussichtlich bei einem Ehepaar wohnen, das freiwillig für AFS arbeitet. Von Weihnachten bis Neujahr werden wir dann Kevin, einen Freund von Marian besuchen, der hauptberuflich von seiner Liebe zur Musik lebt: er komponiert selber klassische Stücke, spielt Orgel in der Kirche, ist ehrenamtlich engagiert und dirigiert zur Zeit das Orchester vom Musical „König der Löwen“.
Am 1.1. werde ich dann direkt von der Neujahrsparty auf der Farm von Kevin’s Eltern zum Flughafen fahren, um da 4 Austauschschüler zu treffen, mit denen ich in den Flieger zurück nach Johannesburg steige. In Joburg angekommen werden wir dann vom Flughafen abgeholt und in ein Hostel gefahren, wo wir auf die restlichen 8 Austauschschüler treffen werden, die mit mir (als ihrem offiziellen AFS-Betreuer) die nächsten 10 Tage auf eine Bustour durch den Krügerpark und andere Sehenswürdigkeiten gehen.
Hört sich gut an? Find ich auch!
Freu mich schon extrem auf den Urlaub, hab seitdem ich hier angekommen bin, jede Woche 40-60 Stunden gearbeitet … Oh mann, wie angenehm die Schulzeit doch war
Freitag werde ich endlich bei Moira ausziehen (die erste Person in meinem Leben, mit der ich auf Grund ihrer Persönlichkeit partout nicht zurecht komme) und mit meinen beiden Freunden Isabel und Marian in eine WG einziehen (sie wohnen schon seit einem Monat da).
Die WG ist in einer multi-kulturellen Gegend: sprich es ist nicht ein weißer Vorort wie Randpark Ridge, wo ich momentan wohne, sondern eine gemischte Mittelklasse-Gegend. Was ich sehr interessant an der Gegend finde ist, dass sich dort die Menschen nicht hinter ihren hohen Mauern und Elektrozäunen verstecken, sondern sich auf der Straße aufhalten und sich unterhalten, ihr Auto waschen/reparieren, Würfelspiele spielen, einkaufen, etc. …
Unsere WG ist ein sogenanntes Townhouse in einem Cluster: eine Art Reihenhaus. Es hat 2 Etagen, 2 Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, 2 Bäder, kleinen Garten und 2 Parkplätze … Ziemlich gut ausgestattet für eine monatliche Miete von R3300 (ca. 350 Euro kalt) finde ich. Dadurch, dass es nur 2 Schlafzimmer hat, teile ich mir mit Marian ein Zimmer, aber ich denke das sollte kein Problem sein, da wir beide recht entspannte Persönlichkeiten sind und uns ziemlich gut verstehen.
So genug von den guten Nachrichten, immerhin will ich es hier ja nicht wie ein Urlaubsjahr aussehen lassen
Seit kurzem habe ich kein Auto mehr und bin nun auf öffentliche Transportmittel (Johannesburg hat eine sehr schlechte Infrastruktur bezüglich öffentliches Verkehrssystem) sowie Mitfahrgelegenheiten bei Freunden angewiesen. Zur Arbeit und zurück kann ich den Bus mit einmal umsteigen nehmen, allerdings bin ich ab 18:00 drauf angewiesen, dass mich irgendwer abholt oder Isa und Marian mich durch die Gegend fahren, da dann die Busse aufhören zu fahren (bin mir auch nicht ganz sicher, wie sicher es wäre, im dunkeln den Bus zu nehmen).
Ach so, warum ich kein Auto mehr habe? Mir ist ein Mitsubishi-Geländewagen hinten raufgefahren und da ich einen ziemlich alten Wagen gefahren bin, hat die Versicherung entschieden, dass es nicht mehr wert ist zu reparieren und haben AFS ausgezahlt.
Mein großartiger Arbeitgeber hat hierin natürlich die Möglichkeit gesehen, etwas Geld zu sparen und mich nun mit einer monatlichen Busfahrkarte zu versorgen anstatt die Reparatur zahlen.
Was ist ansonsten so in den letzten 2 Monaten passiert … Ich war auf einer Hochzeit in Soweto: eine sehr interessante Erfahrung! Isa kannte jemanden, dessen Cousin eine Freundin der Schwester von jemandem war, der das Brautpaar kannte … oder so ähnlich
(Hier ist es üblich, dass man einfach zu einer Feier dazu kommt, wenn man über beliebig viele Ecken jemand kennt, der eingeladen ist.)
Wir waren so ziemlich die einzigen Weißen in ganz Soweto (der zweitgrößten Stadt in Südafrika bzw. man könnte es auch zu Johannesburg dazu zählen, da es die SOuthWEstern TOwnships von Johannesburg sind), hab zumindest keine anderen Weißen gesehen …
Was ich sehr bemerkenswert fand, war dass wir nicht komisch angeguckt oder ausgegrenzt wurden, sondern wir eher besonders behandelt wurden: die Leute waren alle sehr interessiert und haben sich gefreut, dass wir nach Soweto kommen und mit ihnen feiern. Ein Mann kam sogar an um mir die Hand zu schütteln und mir was auf Zulu, Xhosa oder einer anderen afrikanischen Sprache zu sagen … Mir hat danach jemand neben mir erklärt, dass er zu mir sagte, er hätte seit den 70igern keinen Weißen mehr gesehen … Man merkt noch sehr deutlich die Nachwirkungen der Apartheid: z.T. physisch (kaum Weiße in Soweto oder Schwarze in den reichen Vororten) aber häufiger noch psychisch …
2 Wochen im September hab ich mit ca. 5-8 anderen Freunden (es kamen und gingen immer andere Freunde) bei Nicole gewohnt. Das war eine sehr coole Zeit: ihre Eltern waren im Urlaub und es war wie eine große WG in einem sehr hübschen Haus mit Pool, Braai-area, genügend Schlafzimmern, Billardtisch, etc. …
Ansonsten bin ich recht viel am arbeiten, lesen, Filme gucken, arbeiten, Party machen, Freunde treffen, arbeiten und schlafen …
jo meister, so kann mer’s doch aushalten.
am anfang kam ich mir au so vor, als ob mich einer auf zulu zulabert, dabei war’s spanisch…
die zäune gibt’s hier au, wohn ja in ner bonzengegend und au net viele schwarze, is hier au alles getrennt.
dann hau mal rein und grüss die leos von mir!
saludos