Hallo meine Lieben,
ich wollte nur schnell ein paar Weihnachtsgrüße hinterlassen bevor ich mich auf meine erste Urlaubsreise in Südafrika begebe =) Im Moment sitze ich im Shosholoza Meyl Train nach Cape Town: 26 Stunden Zugfahrt quer durch Südafrika in einem 4m² Abteil
Ist nicht ganz so unkomfortabel wie es sich anhört; wir haben 2 Betten (ich reise mit meinem Mitbewohner Marian) übereinander und es ist angenehm, ein Abteil für sich zu haben (was ich zu schätzen weiß, seitdem ich letztes Jahr 10 Stunden nach Paris in einem Abteil mit einer sechsköpfigen Familie gereist bin
). Inzwischen hab ich sogar – nach einer netten Unterhaltung mit einer Frau aus Zimbabwe – herausgefunden, dass die Steckdosen im Zug funktionieren, ich also dank unserem USB-Modem genügend Ablenkung auf dieser langen Fahrt hab. Der Schaffner konnte mir nur nach meiner Frage, ob nur unser Abteil kein Strom hat, mit der Antwort weiterhelfen: „Ah you know, sometimes they work, sometimes they don’t.“
Von Freitag bis Montag war ich mit Isa und Marian in Mafikeng und Polokwane bei einer traditionell afrikanischen Hochzeit, was sehr interessant und abenteuerlich war. Die Fahrt von Johannesburg nach Mafikeng verlief recht problemlos, nach ca. 4 Stunden sind wir auf dem Hochzeitsplatz angekommen. Auf dem Grundstück des Hauses stand ein riesiges Zelt, in welchem am nächsten Tag die Zeremonie stattfinden sollte. Im Haus haben die Frauen gesungen, Blumengestecke und das Essen vorbereitet. Wir wurden ins Wohnzimmer zu den Männern gebracht, die um einen Tisch mit einer Schüssel voll Fleisch saßen und gegessen, getrunken und sich unterhalten haben. In dieser Schüssel waren aber keine Hähnchenschenkel (welche draußen in riesigen Töpfen über heißer Glut und Asche zubereitet wurden), sondern ein komplettes Schaf (gehäutet, gekocht und in seine Einzelteile zerlegt). Da war also der komplette Kopf als die Hauptdelikatesse (inklusive Augen, Ohren und allem was zu einem Kopf so dazugehört) sowie die Innereien (welche hier auch zubereitet und gegessen werden) und halbe Beine (inklusive Klaue und Krallen). Um nicht unhöflich zu sein, hab ich mir natürlich auch ein Stück abgeschnitten, aber ich hab mich mit der Vorstellung, dass ich genau weiß, was ich da eigentlich grade esse dann doch nicht so wohl gefühlt um mir wie die anderen Uncles einen Knochen zu schnappen, der so dick wie mein Arm war und ihn bis auf die Krallen abzuknabbern … Da lob ich mir doch mein traditionell europäisches Weihnachtsessen ![]()
Am gleichen Abend wurden wir, als wir die Mutter der Braut nach Hause gefahren haben, von einer Riesenkakerlake überrascht, die mich vom Wohnzimmertisch aus attackieren wollte; dann aber mit der ruhigen Bemerkung der Großmutter „Oh, it’s a big cockridge“ und dem Einsatz ihrer Plüschpantoffel „plattgemacht“ wurde. Als wir dann später bei ihr in der Küche standen (nach einem sehr leckeren Glas selbstgemachtem Ginger Ale) und ich leicht irritiert neben das Waschbecken (ohne Wasseranschluss) starrte, fragte Marian – noch leicht traumatisiert von der vorigen Szene – was denn da sei. Als ich dann meinte: „I’m not too sure, but I think, it’s a cow-head“, antwortete er nur noch mit dem obligatorischen englischen Fluchen. Auf die Frage, was sie denn mit diesem riesigen Kuhkopf zu tun gedenke, antwortete die Oma im selbstverständlichen Ton: „Ah, we gonna eat it.“ … Na klar, was sonst, doofe Frage
Am nächsten Tag sind wir mit den anderen jungen Familienmitgliedern zum Church-Service gefahren, natürlich wiedermal erst losgefahren, als es offiziell begann und „just in time“ zum Kuss angekommen. Danach gab es einige Fotos und dann das Hochzeitsessen mit den ca. 500 Gästen im Hochzeitszelt sowie einige Zeremonien wie z.B. traditionelle Tänze, lange Reden, die nur die Hälfte der Gäste verstand, wegen der großen Sprachvariationen in Südafrika. Den Rest des Tages wurde gegessen, getrunken und gefeiert, um am nächsten Tag gut gewappnet zu sein für die 6-stündige Fahrt nach Polokwane zur Familie des Bräutigams (wo die gleiche Hochzeit nochmal abgehalten wurde). Diese Fahrt hat sich dann nach massivem Überhitzen von Marians Auto zu einer 17-stündigen Tour d’Afrique entwickelt … Als wir dann nachts um 4 endlich am Ziel angekommen sind, konnten wir noch 3 Stunden im Auto schlafen, bevor wir uns für die Hochzeit (Part 2) fertig machen mussten. Da es allerdings in Strömen geregnet hat und ein Fluss durch das Hochzeitszelt lief, wurde der ganze Beginn etwas nach hinten verschoben. Um 12 mussten wir dann auch schon wieder los, da Isa ihren Flieger bekommen musste (1,5 Stunden später sind wir dann mit einem halbwegs reparierten Auto, in das wir alle 40 Minuten Wasser nachfüllen mussten und einer gestressten Isa tatsächlich losgefahren). Auf halbem Weg, etwa bei dem 4. Wasserstop wollte der Wagen dann nicht mehr anspringen und wir standen leicht aufgeschmissen am Seitenrand des Freeways. Glücklicherweise kamen ein paar Leute von der Hochzeit vorbei, die dann Isa zum Flughafen mitgenommen haben (sie hat ihren Flieger tatsächlich noch bekommen!) und wir Verbliebenen haben mit 60km/h auf dem Freeway den Rest des Weges (ca. 150km) zurückgelegt.
Tja, ein abenteuerlicher Trip, von dem ich mich jetzt in einem angenehm heißen Dining-Wagon mit Weihnachtsschmuck erholen werde
Merry Christmas und eine rauschende Party ins neue Jahr wünscht euch
Euer Janosch