Entspannt aus meinem langen Weihnachts- (Sommer)urlaub wiedergekommen, hab ich mich gleich wieder in meinem Arbeitsalltag im verregneten Johannesburg gestürzt. Das Wetter auf dem Highveld (dem Hochplaeteau auf dem sich Johannesburg befindet), sei sehr ungewöhnlich dieses Jahr, da es anstatt sonniger Hitze norddeutsches Grau + Regen en masse gibt … Diesem Arbeitsalltag (6:00 aufstehen, mich zum Bus schleppen, versuchen im Bus nicht meinen Anschlussbus und die darauffolgende Busstation zu verschlafen, von 8-4 im Büro arbeiten, um 6 zu hause ankommen, Haushalt erledigen, entscheiden dass ich morgen koche, wahlweise lesen/DVD gucken/Pokern, schlafen, um 6:00 aufstehen …) bin ich nun schon 3 Wochen gefolgt, als mir dann mal aufgefallen ist, dass ich euch ja noch gar nicht von meinem Urlaub erzählt habe
Aaaalso, ist ja in inzwischen schon ne ganze Weile her: Erinnert ihr euch noch an die letzte Mail, die ich auf meiner Zugfahrt Kapstadt geschrieben habe? Diese Zugfahrt hat sich auf 30 Stunden ausgedehnt, da wir aus ominösen Gründen zwischendurch für ein paar Stunden mitten in der Karoo-Wüste einfach nicht mehr weitergefahren sind. Auf der Zugfahrt haben wir dann noch „Nathi“ kennengelernt, einen Studenten aus Pretoria, der über Weihnachten seine Familie in Kapstadt besucht hat. Mit ihm zusammen haben wir uns dann die Zeit im Dining-wagon mit Schach, essen und Bierchen vertrieben …
Als wir dann endlich in Kapstadt angekommen sind, hat uns Ronnie Watt, ein sehr netter und entspannter Volunteer von AFS abgeholt, bei dem wir die erste Nacht geschlafen haben. Den ersten Abend in Kapstadt haben er, seine Frau und seine jüngere Tochter (ca. 21) uns auf einer mehrstündigen Rundfahrt durch Cape Town die Stadt und seine Sehenswürdigkeiten gezeigt, damit wir erstmal eine grobe Orientierung haben: Kapstadt ist für eine Großstadt wirklich wunderschön! Die Innenstadt ist relativ sicher, man hat das Meer und die Berge in Sichtweite, recht viele Cafes und ein allgemein sehr europäisches Flair. Am nächsten Tag sind wir dann zusammen mit seiner ältern Tochter (ca. 25 – beide sind bzw. waren übrigens Models), die stets ihr schnuckeliges Haustier – eine ca. 2 Meter lange Würgeschlange – mit sich rumträgt, vor dem Lunch in die Mall gegangen. Der (oder das?) Lunch war für Watt’s Verhältnisse ein typische(r/s) Sonntagslunch: Familie und Freunde kommen zu Besuch (so um die 20) und bringen diverse Leckereien mit, die sie neben all die Sachen stellen können, die Anne-Marie (Ronnies Frau) den kompletten Samstag und Sonntagvormittag vorbereitet hat.
Nach dieser ausgiebigen Mahlzeit hat uns Ronnie dann zu Rian gefahren – einem verrückten Afrikaans-guy, Gastvater von einem deutschen Austauschschüler, ehemaliger Pornodarsteller und Vater von 2 jungen Töchtern aus erster Ehe – bei dem wir dann die nächsten paar Tage wohnten. Als wir bei ihm angekommen sind, erwartete uns auch schon die nächste Mahlzeit: ca. 6 Leute saßen mit ihren Drinks in der Sonne vor einem großen Topf, welcher auf einigen Holzscheiten vor sich hinbrutzelte – ein sogenannter Pojkie: ein Topf mit verschiedenen Lagen von Kartoffeln, Gemüsesorten und – in diesem Fall – Springbockfleisch (welches sehr zart und lecker ist). In dem Moment als wir sein Grundstück betreten haben, hat er uns erstmal die 2 Regeln in seinem Haus vorgestellt: Finger weg von seinen Töchtern und Männer sollen gefälligst den Garten benutzen um ihre Blase zu entleeren (ich hab euch doch gesagt, der ist verrückt!
). Die Tage bei ihm waren auf jeden Fall auch sehr entspannt und lustig: wir haben gut gegessen, uns am Strand entspannt und die Sonne genossen.
Nach ein paar Tagen hat uns dann Kevin, der ebenfalls über Dezember/Januar von Johannesburg nach Kapstadt geflogen ist, abgeholt und uns bei seiner Familie einquartiert, die wie so viele Südafrikaner sehr nett und gastfreundlich sind. Mit Kevin haben wir die verschiedensten Dinge gemacht: Auf den Signal Hill um erst den Sonnenuntergang im Ozean zu bewundern und dann auf die andere Seite zu gehen und die Lichter von Kapstadt angehen zu sehen, eine Weintour mit seinen Freunden (jedoch um einen Tag verschoben, da wir beim ersten Versuch irgendwie bei denen zu hause hängen geblieben sind und den Kater im Yakuzi auskuriert haben), die besten Milkshakes dieses Planeten getrunken, vor allem jedoch eine Menge mit seinen Freunden ausgegangen und Party gemacht
Ebenso an Sylvester: am 31. sind wir auf eine Farmparty von seinen Freunden gefahren, bei der die Band „Chasing Friday“ von seinem besten Kumpel Philipp einen Live-gig gegeben hat … Seitdem läuft deren CD 24/7 bei uns zu hause im CD-Spieler: seeehr geile Band!
Nachdem wir dann ein paar Stunden im Auto gepennt haben, haben sie mich zum Flughafen gefahren, wo ich die ersten paar Austauschschüler getroffen hab, die mit auf die Safari gekommen sind. Die nächsten 10 Tage haben wir dann zusammen (10 Austauschschüler: 7 Südamerikaner(innen), 3 Beligierinnen und ich) im Panorama-/Geländebus, Game Lodges und im Busch verbracht.
Zuerst sind wir nach Beloni gefahren, einem privaten Game Reserve, wo man das Auto auch verlassen darf und zu Fuß durch den Busch streunen kann (natürlich nur mit Führung, die auf einen aufpasst). Dort haben wir einige Game Walks und Game Drives durch die unberührte Natur und Gebiete von Löwen, Büffeln, Elefanten, Nashörnern, Giraffen, Zebras, Schimpansen, Baboon Spiders (weiß den deutschen Namen nicht, jedenfalls verflucht große Spinnen, die in Erdlöchern wohnen) und diversen anderen Viechern gemacht. Es war einmalig, wie im Dschungelbuch zu sehen, wie eine Elefantenfamilie Rüssel und Schwanz ineinandergehakt zum Wasserloch marschiert sind, Büffelherden einen bresig angeschaut haben, wenn man im Geländewagen vorbeigefahren ist, man beinahe bei Game Walks über Schildkröten stolpert oder den sternenreichsten Himmel sieht, den man in der Nähe einer Stadt nie zu Gesicht bekommen könnte.
Nach 4 Tagen sind wir nach Mpumalanga gefahren, eine sehr schöne und bergige Provinz von Südafrika, wo wir uns einige … nun ja … Berge angeschaut haben ![]()
Das eindruckvollste was ich dort erlebt hab war das Gefühl, 70 Meter tief in eine Schlucht zu fallen … um sofort (nach einer gefühlten Ewigkeit) von dem Seil aufgefangen zu werden und wie bei einer Schaukel in Richtung der einen Felswand befördert zu werden, dann erleichtert aufzuatmen, dass man nicht dagegengeschmettert ist, um dann gleich wieder loszuschreien, weil man auf einen Wasserfall an der Felswand der Schlucht drauf zufliegt … Diese ganze Prozedur nannte sich „The BIG Swing“ und hat auf jeden Fall bleibende Eindrücke hinterlassen
Nach 3 Tagen Mpumalanga sind wir in den sagenumwobenen Krüger Park gefahren, wo wir die letzten 3 Tage verbracht haben: Elefanten versperren einem dem Weg mit dem Wagen, einen Leoparden haben wir gesehen wie er sich neben einer halben Gazelle im Baum entspannt hat, Hippos (übrigens die Tiere mit den meisten Menschenopfern pro Jahr) und Krokodile die im Wasser unterwegs waren, Löwenbabys die hinter der Mama hergetrottet sind, eine Menge Paviane die sich am Straßenrand vergnügt haben, etc. … Eine sehr vielreiche Tierwelt haben wir also bewundern können.
Und dann der Kulturschock, wenn man wieder in die laute und hektische Großstadt zurückkommt
Inzwischen hab ich mich aber schon wieder dran gewöhnt und die Urlaubserinnerung sind bereits zu einzelnen schönen Bildern in meinem Kopf (und auf meiner Digitalkamera) verblasst … Ich werde sie auch möglichst bald hochladen, dann schick ich aber nochmal eine Rundmail mit dem Link.
Ich wünsch euch alles Gute und hoffe dass euch mit dieser Mail ein paar afrikanische Sonnenstrahlen erreichen
Xoxo, Janosch
P.s.: Ihr könnt beizeiten auch mal Marian’s Seite anschauen, in denen er die gleichen Erlebnisse nochmal aus anderer Perspektive geschildert hat: www.agladiac.de.vu und dann oben in der zweiten Spalte von links auf „News“ klicken …