Dass der 2.3. ein Sonntag war und ich von Freitag abend bis Sonntag vormittag noch ein arrival camp von 30 Südamerikanern leiten musste, hat sich als Glücksfall erwiesen, denn so hatte ich immerhin schonmal transport zum airport organisiert, wo die ganzen Autovermietungen ihre Büros haben. Nach einem spaßigen Wochenende mit Brasilianern, Argentinierinnen, Paraguayos, etc. (die ich übrigens hoffentlich Ende dieses/Anfang nächsten Jahres besuchen werde; grober Plan: für 2-3 Monate durch Argentinien und Brasilien reisen, Freunde die ich durch AFS kennengelernt habe besuchen und zum Carnival im Februar in Brasilien sein) stand ich also mit meiner Liste von Autovermietungen, Sonnenbrille im Gesicht (mir doch egal, dass es bewölkt ist!) auf dem Flughafen, ready die Autoschlüssel mit links aufzufangen und nach hause zu cruisen um meine Sachen zu packen. Denn um 23:55 kommen ja schließlich schon Kai, Mirko und Tine an und bis dahin muss ich ein Auto organisiert haben *Schluck*
Car Rental List: Platz 1: Thrifty Car Rental: Toyota Avanza zum Online Tarif (krieg ich vermutlich nicht, da man da schon im voraus zahlen muss): R5000, normaler Tarif R8000 (Vergleich Europcar: R12000).
Nun gut, Hemdkragen zurechtzupfen, Sonnenbrille adjustieren (allmählich fängt es an zu regnen, aber die Büros sind ja glücklicherweise drinnen) und auf geht’s.
Avis, Europcar, Hertz lass ich alle buchstäblich links liegen, bis ich am Ende des Ganges das ersehnte Schild erblicke: Thrifty Car Rental. Durch die getönten Scheiben, die zur Seite weggleiten hindurchmarschiert treffe ich auf – Doh, keine hübsche Beraterin sondern ein ca. 40-jähriger dicker weißer Afrikaans-Bure. Während ich meine Sonnenbrille absetzte (ist ja auch lächerlich, wer trägt schon Sonnenbrillen in Gebäuden, insbesondere wenn es draußen gießt wie aus Eimern) versuchte ich mit größter Anstrengung den Schriftzug auf meiner Stirn zu verbergen: Ich, Janosch Sbeih, bin keine 23 Jahre alt und habe meinen Führerschein erst vor ca. 8 Monaten erworben.
Mit der größten Souveränität, die ich mit schwitzenden Händen, trockenem Mund und jeglichen sonstigen Symptomen von Nervosität und Versagensangst noch aufbringen konnte, stammelte ich mich durch das Eröffnungsgeplänkel (Hello, how are you? Fine and you? Thanks, can’t complain. How can I help you?). Nachdem ich dies erfolgreich überstanden hatte und ihm erklärte, dass ich einen Toyota Avanza reserviert habe, lachte er nicht wie erwartet auf und schickte mich zurück zu meiner Mami, sondern hiefte sich von seinem Bürostuhl und blickte mich mit Bedeutungsschwerer Miene an: „Mr. Sbeih, I’m afraid that I have to tell you that the car which you reserved still out with a client. Buuut what I can offer you is the Nissan X-Trail 2×4. It is, by the way, a much better car than the Toyota Avanza.” (“ACHTUNG JANOSCH!!! Er versucht, dir ein teureres Auto anzudrehen! Er ist Autoverkäufer (-Vermieter, alles das gleiche), die machen das immer so!”) „Alright, so how much would it actually cost?“ “Well, the Avanza costs R8000, so the Nissan will probably be slightly more expensive, let me just calculate it for you.” *Wichtiges Gekalkuliere auf dem Taschenrechner, immer größer werdende Zahlen* “So, in total this would add up to 14783 Rand.” *Entgleisende Gesichtszüge, gefolgt von einem unterdrücktem Lächeln* „I think this would be a little too much for me.“ „Let me tell you something, the Nissan X-Trail 2×4 is one of the best cars we have in our fleet, it’s perfect to go in National Parks or the mountains with, has ABS, power steering, …” “I believe you and I would really like to take this car BUT unfortunately it is slightly above my budget. If the client with the Avanza still comes back today, please let me know. Have a good day.” “Alright, so can I have your passport and drivers license please?” “Ähm, for which rental exactly now?” “Let me have a look at your reservation. Hmm, okay. I’ll give you the X-Trail for the price of the Avanza.” *Ein unterdrückter Freudensprung und Jubelschrei machen sich doch als leichtes Lächeln auf meinem Gesicht bemerkbar* „But something is strange with the rate on your reservation, it says R5219 although it should be 8000 and something.” “Ja, weil das die Online-Buchung ist, die ich schon vorab hätte bezahlen müssen.“, dachte ich, sagte jedoch: „Yeah, i also was surprised when you told me that the Avanza costs R8000, because here on my reservation it only says 5.” “Well, you know what, I’ll give it to you for the price which states on your reservation, shall the guys in the main-office work it out.” *Das Lächeln weitet sich zu einem breiten Grinsen aus* “I just need to quickly copy your drivers license and passport and then we can sign the contract” („Oh shit, stimmt ja, das muss ich ja auch erst noch bestehen, bevor ich dieses Mega-Angebot kriege!“) Also gab ich ohne Kommentar, dafür mit leicht zitternder Hand meine Papiere und sah ihm hinterher wie er damit zum Kopierer marschierte. Nach einer unnatürlich langen Zeit, die er zum Kopieren brauchte, kam er zurück und gab sie mir mit einem Lächeln zurück: „Thank you Mr. Sbeih, just sign here, here and here and we’re done.“ Schnell den Deal des Jahres unterschrieben, das Geld von meiner Kreditkarte abbuchen lassen, die Autoschlüssel abgegriffen und mit hüpfendem Gang ab ins Parkhaus geschwebt …
Dort angekommen hat mir der Car-Guard noch zur Mietung dieses super Wagens gratuliert: „You see my brotha, dis ain’t a normal X-Trail, it’s tha betta version!“
Nach großen Beglückwünschungen und einer ausführlichen Einführung in alle Special-Features des Fahrzeugs bin ich dann endlich mit dem Auto meiner noch nicht gekannten Träume unterm Hintern auf den Highway Richtung Windsor East gecruist. Zumindest war das der Plan. Vor lauter Jubelschreien und Selbstversicherungen dass dies die Realität und kein Traum ist hab ich nämlich einfach mal spontan verfahren. Aber war ja kein Problem, so konnte ich das Wundergefährt noch ein wenig länger genießen ![]()
Irgendwann zu hause angekommen hab ich noch schnell die Pflichtaufgaben wie essen, Tasche packen, mit meinem Raumschiff angeben etc. erledigt und versucht den Rest der Zeit bis zur Ankunft von Kai, Tine und Mirko um Mitternacht zu verkürzen. Um 22:00 konnte ich jedoch einfach nicht mehr still sitzen und hab mich auf den Weg zum Flughafen gemacht – wo ich dann gemerkt hab, dass es auch nicht klüger ist, die letzten 1,5 Stunden im Arrival-Terminal zu verbringen. Immerhin hab ich einen Gitarrenspieler gefunden neben den ich mich setzen konnte und angenehm mein Buch lesen konnte. Als ich das durch hatte war ihr Flieger wenigstens schonmal gelandet. Als ich jedoch nach über einer Stunde immer noch kein bekanntes Gesicht entdecken konnte, hab ich mir etwas Sorgen gemacht … Um halb 2 kam dann endlich Mirko raus – rührende Wiederfindungsszenen zwischen Onkel und Neffe nach 7 Monaten getrenntem Dasein spielten sich ab und es stellte sich raus, dass die Gepäckausgabe leicht verzögert war. Die letzten 30 Minuten bevor dann auch Kai und Tine ihr Gepäck bekommen haben, konnten Mirko und ich uns noch über die neuesten Geschehnisse austauschen und freuen, dass wir am nächsten Tag zusammen in den Urlaub fahren.
Als dann alle beisammen waren, konnte ich meine große Ankündigung machen auf die ich mich schon den ganzen Tag gefreut hab: „Leute, ich hab ein Auto“ *freudige Gesichter* „Aaaber, das Ding ist –rhetorische Pause *besorgte Blicke*- es ist ein besseres als wir eigentlich haben wollten *Jubelgeschrei* … zur Hälfte des erwarteten Preises!“ Und damit waren wir dann alle 4 in der Ankunftshalle am feiern … Anschließend wurden jegliche Gepäckstücke und Personen ins Auto geladen und zu Catz Pyjamas in Melville gefahren wo wir um 3 Uhr nachts noch Pizzen verschlungen haben und Kai sich über die Eiswürfel in den Pissoirs wunderte, worauf ich ihm mit einem Achselzucken erklärte, dass ihm nach diesem Urlaub solche banalen Verrückheiten vermutlich gar nicht mehr auffallen werden. Nachdem wir uns gegenseitig versichert haben, dass wir jetzt alle gerne ein Bett hätten und nicht mehr dick in Partylaune sind, haben wir noch die restlichen 5km nach hause zurück gelegt und somit den Ankunftstag erfolgreich und zufrieden hinter uns gebracht.
Der Tag der Ankunft
Sonntag, 13. April 2008 von spytheice